Wulff nötigt Amt wie Griechenland seine Euro-Mitgliedschaft

Griechenland ist auch ein Teil von Deutschland. Erstaunliche Parallelen tun sich auf zwischen dem Verhalten der Staatsoberhäupter. Die griechische Regierung nutzt die vertragliche Unkündbarkeit ihrer Euro-Mitgliedschaft, um Hilfsgelder in Milliardenhöhe einzuheimsen. Der deutsche Bundespräsident Christian Wulff benutzt sein Amt als Schutzschild. Auch sein Vertragsverhältnis kann nicht aufgekündigt werden.

Der gewiefte Athener Politik-Apparat hält seit mittlerweile drei Jahren die Eurozone auf Trapp. Um neue Hilfsgelder aus der EU und vom Weltwährungsfonds zu bekommen, spannte man den parteilosen Interims-Regierungschef und Ex EZB-Vize Lucas Papademos vor den Karren. Dieser soll die im März 2012 anstehende Super-Tranche in Höhe von 89 Milliarden Euro sichern. Anschließend dürfte es Neuwahlen geben und eine Fortsetzung der Papandreou-Chaos-Politik.

Kein Respekt

Derweil verspricht das deutsche Staatsoberhaupt, dass in einem Jahr alles vergessen sei, berichtet die Bild Zeitung. Dies soll Wulff bei einem internen Neujahresempfang der Bellevue-Belegschaft versichert haben. Er wolle dem Amt auch einen zweiten Rückritt ersparen. Allerdings konnte er dem Amt sich selbst nicht ersparen. Er habe kein Respekt vor dem Amt, könne den Schaden nicht heilen und war der Aufgabe ohnehin nie gewachsen, sagt die Unternehmens- und Politikberaterin Gertrud Höhler.

Aktuell ist es wahrscheinlicher, dass Griechenland aus dem Euro austreten muss, weil es keine Hilfsgelder mehr bekommt, als das Wulff zurücktritt. Das Wettportal Crowdpark hat eine 27-prozentige Wahrscheinlichkeit ermittelt, dass der Bundespräsident nicht zurücktritt. Für die Griechen sieht es schlechter aus. Für einen Austritt Griechenlands oder einen anderen Landes aus dem Euroraum bis Ende 2012 ermittelt der Wettanbieter Intrade eine Wahrscheinlichkeit von 53 Prozent.

Fazit: Wer darauf setzt, dass Christian Wulff sein ramponiertes Image nicht mehr beheben kann und die Konsequenzen zieht, bekommt höhere Wettgewinne, als bei einem Euro-Austritt Griechenlands. Die Griechen sind den Deutschen um einen Schritt voraus.