Verfügbare Margin
Nachdem wir Anfang August schon einen kleinen Vorgeschmack bekommen haben, wie schnell und stark sich der Markt bewegen kann, ist es umso wichtiger noch einmal sein Risk Management zu überprüfen bzw. nachzustellen. Für den Rest des Jahres gehe ich von starken Kursbewegungen aus (insb. in GBP/USD) und viel Volatilität. Wer sein Risiko dann nicht im Griff hat, wird am Ende des Jahres mit leeren Händen dastehen. Wie stark sich EUR/USD bewegen kann, haben wir in den vergangenen zwei Wochen gesehen. Daneben trade ich noch GBP/JPY, das volatilste FX-Paar unter den Hauptwährungspaaren.
Gutes Risiko Management fängt mit sorgfältiger Planung an, wobei verfügbare Margin, Eigenkapital und Einstiegsgröße Eckpfeiler sind. Ich gehe davon aus Sie wissen mit welchem Hebel (H) Sie bei Ihrem Broker traden. Ich trade mit einem Hebel von 50:1, was bedeutet die Marginanforderung (M) beträgt 2%. Die Formel dafür ist:
M = 100 / H
Eigentlich ganz einfach, dennoch würde ich wetten das 95% aller privaten Forex Trader diese Formel nicht kennt bzw. sich überhaupt nicht dafür interessiert.
a) Beispiel mit Hebel: 100:1
M = 100 geteilt durch 100/1 M = 1%
b) Beispiel mit Hebel 200:1
M = 100 geteilt durch 200/1 M = 0,5%
Bei einem Konto, welches mit 10.000 Euro Eigenkapital ausgestattet ist, bedeutet dies wenn Sie 10.000 Einheiten EUR/USD kaufen oder verkaufen sperrt ihnen der Broker für die Dauer des Trades 100 Euro (Hebel 100:1). Ihr Eigenkapital ist immer noch bei 10.000 Euro jedoch beträgt die verfügbare Margin 9.900 Euro. Dies entspricht 99% (9.900 / 10.000) verfügbare Margin nachdem Sie den Trade vollzogen haben. Wenn die Position nun 150 Pips gegen Sie läuft, verringert sich die verfügbare Margin weiter. 150 Pips entspricht 150 US-Dollar und derzeit ca. 100 Euro. Die verfügbare Margin beträgt nun 9.800 (98%) und die Marginanforderung 200 Euro.
Nehmen wir an es werden 200.000 Einheiten EUR/USD gekauft (2 Lots). 1% (=2000 Euro) wird beim Kauf für die Marginanforderung fällig. Die verfügbare Margin beträgt nun 8.000 Euro (=80%). Wenn der Trade 100 Pips gegen mich läuft, sinkt meine verfügbare Margin um weiter 2000 Euro und ist jetzt bei 6.000 Euro (60%). Wenn EUR/USD weitere 300 Pips (=6000 Euro) verliert, bekomme ich einen Margin Call, da die verfügbare Margin bei 0 Euro (=0%) ist. Der Broker schließt die Position automatisch, das Tradingkonto wird mit dem Verlust von 8.000 Euro belastet und ich bekomme die Marginanforderung in Höhe von 2.000 zurück. Neuer Stand des Eigenkapitals ist 2.000 Euro (-80%).
Viele sagen jetzt, dies kann nie passieren, da man immer mit Stop-Loss tradet. Viele Broker unterstützen diese Ansicht. Unter den ganzen Chartanalyse- und Indikator Kursen, Seminaren etc. von Brokern findet man Informationen zu Risk Management eher nicht. Für Retail-Broker ist Risk Management das Setzen von Stop-Loss. Punkt. Fakt ist, wer seine verfügbare Margin unter 85% fallen lässt, ist Amateur und wird es auch immer bleiben. Übrigens ist 85% sehr großzügig, 90% ist der bessere Wert. D.h. wenn Trades gegen mich laufen und meine verfügbare Margin unter 85% fällt, schließe ich Positionen damit ich wieder über 85% komme. Natürlich hat man auch einen Stop-Loss und der sollte genau an diesem Punkt ausgelöst werden.