5.7 Relative Stärke Index (RSI)
Der Relative Stärke Index (RSI) beschreibt steigende- und fallende Kurse und markiert Chartzonen als überkauft und überverkauft. Er zeigt die Stärke im Vergleich zu früheren Kursentwicklungen. Der Relative Stärke Index misst nicht, wie der Name suggeriert, die Stärke einer Aktie, Währung etc. im Vergleich zu einem Index. Der RSI beschreibt die Beziehung zwischen steigenden- und fallenden Kursnotierungen für einen bestimmten Beobachtungszeitraum.
Dabei wird zunächst die Summe der positiven Kursänderungen (Kursanstiege) mit 100 multipliziert. Das Produkt wird sodann durch die Aufsummierung von positiven Kursänderungen (Kursanstiege) und den Beträgen der negativen Kursänderungen (Kursverlusten) dividiert:
RSI = Σ Kursanstiege x 100 / Σ (Kursanstieg + |Kursverlust|)
Beispiel:
Beobachtungszeitraum: 5 Tage Kursanstiege an 3 Tagen, um: +3, +4, +5
Kursverluste an 2 Tagen, um -2, -6
RSI = (3+4+5) x 100 / 3+4+5+2+6
RSI = 1200 / 20
RSI = 60

Der RSI wird auf einer Skala von 0 bis 100 dargestellt. Typische Werte liegen zwischen 10 und 90. Ein RSI kleiner als 30 suggeriert einen überverkauften Zustand, ein RSI von über 70 bedeutet einen überkauften Zustand. Der gewählte Beobachtungszeitraum ist abhängig von dem individuellen Anlagehorizont. Bei Aktien werden häufig 14 und 21 Tage verwendet, jedoch kann der Beobachtungszeitraum durchaus bis zu 100 Tagen betragen, falls der Anlagehorizont eines Investors auf mehrere Jahre ausgelegt ist.
Failure Swings (Fehlerhafte Ausschläge)
Failure Swings treten bei RSI-Werten größer als 70 bzw. kleiner als 30 auf. Ein Bottom Failure Swing (fehlerhafter Ausschlag an der Chartunterseite) entsteht während eines Abwärtstrends im Kurschart, wenn ein RSI-Tiefpunkt den vorangegangen RSI-Tiefpunkt nicht nach unten durchbricht. Dabei müssen beide RSI-Tiefpunkte einen Wert kleiner als 30 annehmen. Im Anschluss wird ein vorangegangener RSI-Hochpunkt nach oben durchbrochen.

Ein Top Failure Swing (fehlerhafter Ausschlag an der Chartoberseite) entsteht während eines Aufwärtstrends im Kurschart, wenn ein RSI-Hochpunkt den vorangegangen RSI-Hochpunkt nicht nach oben durchbricht. Dabei müssen beide RSI-Hochpunkte einen Wert größer als 70 annehmen. Anschließend wird ein vorangegangen RSI-Tiefpunkt nach unten durchbrochen.
Eine Divergenz durch einen Failure Swing wird erst bestätigt, wenn nach dem Nichtdurchbrechen des 1.RSI-Tiefpunktes bzw. 1.RSI-Hochpunktes der vorangegange RSI-Hochpunkt bzw. RSI-Tiefpunkt nach oben bzw. unten durchbrochen wird.
Auseinanderlaufen von Kurschart und Relative Stärke Index (Divergenz) bei RSI-Ständen größer als 70 bzw. kleiner als 30 sind bedeutsame Warnsignale für eine bevorstehende Trendumkehr. Daneben können im RSI-Chartbild Trendlinien sowie Gleitende Durchschnitte eingesetzt werden, jedoch muss der vorrangige Trend des Kurscharts beachtet werden. Die beschriebenen Failure-Swings sind daher stets in diesem Zusammenhang zu betrachten.