5.4 Momentum

Momentum ist in der Physik als Impuls bekannt und beschreibt im Bereich der Finanzmärkte die Stärke und Richtung von Kursänderungen und Kursbewegungen. Das Momentum ist vergleichsweise stark in schnellen- und eindeutigen Auf- bzw. Abwärtsbewegungen, die durch geringe Korrekturbewegungen gekennzeichnet sind. Bewegen sich Kursnotierungen langfristig und richtungslos nach oben und unten ist das Momentum vergleichsweise gering.

Mathematisch gesehen misst das Momentum die Geschwindigkeit von Kursveränderungen, indem für einen konstanten Beobachtungszeitraum Preisunterschiede berechnet werden. Um eine 15-Perioden Momentumlinie zu konstruieren wird der Schlusskurs vor 15 Perioden vom heutigen Schlusskurs subtrahiert und anschließend mit dem Faktor 100 multipliziert. Das Ergebnis wird sodann im Oszillatorenchartbild abgetragen.

M = (Va - Vx) x 100

M = Momentum
Va = aktueller/heutiger Schlusskurs
Vx = Schlusskurs vor x Perioden (Perioden = Tage, Stunden, Minuten etc.)

 

 

Wenn der aktuelle/heutige Schlusskurs größer ist als der Schlusskurs vor 15 Perioden, wird ein positiver Wert (über der Mittelpunktlinie) abgetragen. Ist der aktuelle/heutige Schlusskurs niedriger als der Schlusskurs vor 15 Perioden, entsteht ein negativer Wert (unter der Mittelpunktlinie).

In der Praxis wird oft eine 10-Perioden Momentumlinie gewählt, jedoch sind Beobachtungszeiträume darunter bzw. darüber möglich und sinnvoll. Zu beachten ist, dass kürzere Beobachtungszeiträume (z.B. 5 Tage) sensiblere- und volatilere Momentumlinien hervorbringen als längere Beobachtungszeiträume (z.B. 40 Tage). Bei letzteren Beobachtungszeiträumen erscheinen die Momentumlinien mehr geglättet und pendeln weniger stark.

Durch das Abtragen von Preisunterschieden im Sinne einer Momentumlinie wird der Grad von Anstieg bzw. Gefälle charttechnisch analysiert. Erhöhen sich die Preise des Kurscharts, die Momentumlinie besitzt eine positive Steigung und befindet sich gleichzeitig oberhalb der Mittelpunktlinie, beschleunigt sich der Aufwärtstrend. Wenn sich die Steigung der Momentumlinie auf 0 verringert, sind die aktuellen/heutigen Kursanstiege gleich den Kursanstiegen von vor 15 Perioden.

 

 

Während der Kurschart weiter steigt, bleibt die Geschwindigkeit bzw. der Grad des Anstieges unverändert. Bewegt sich die Momentumline zur Mittelpunktlinie zurück, finden weiterhin Kursanstiege statt, jedoch bei einer abnehmenden Geschwindigkeit. Fällt die Momentumlinie unter die Mittelpunktlinie, ist der aktuelle/heutige Schlusskurs kleiner als der vor 15 Perioden und es sind Kursverluste zu beobachten. Entfernt sich die Momentumlinie weiter von der Mittelpunktlinie, beschleunigt sich der Abwärtstrend.

Aufgrund der mathematischen Berechnung ist die Momentumlinie den Preisen des Kurscharts stets voraus. Die Steigung der Momentumlinie zeigt die Stärke von Kursanstiegen bzw. Kursverlusten an und geht gegen null, während der vorrangige Aufwärtstrend bzw. Abwärtstrend im Kurschart noch andauert. Werden im Kurschart keine Gewinne bzw. Verluste mehr generiert, weist die Momentumlinie bereits die entgegengesetzte Richtung auf.

Das Durchbrechen der Mittelpunktlinie sollte nur als Kauf- bzw. Verkaufsignal verstanden werden, wenn der vorrangige Trend des Kurscharts die gleiche Richtung aufweist. Ein Bruch der Mittelpunktlinie generiert kein Kauf- bzw. Verkaufsignal, wenn sich der Kurschart in die entgegengesetzte Richtung bewegt.