3.7 Gleitende Durchschnitte

Kursnotierungen oder andere zeitreihenbasierte Chartabildungen steigen bzw. fallen nicht entlang geraden Linien. Dies erschwert dem Technischen Analysten die Trendidentifizierung und sachgerechte Kursprognose. Der Gleitende Durchschnitt „glättet“ die Kursnotierung für einen ausgewählten Beobachtungszeitraum und erleichtert die Analysearbeit signifikant.

 

 

In der Praxis werden insbesondere drei Gleitende Durchschnitte verwendet:
- Einfacher gleitender Durchschnitt
- Exponentieller gleitender Durchschnitt
- Gewichteter gleitender Durchschnitt

Um einen Trend zu identifizieren und dessen Dauer vorherzusagen, kommt dem gewählten Beobachtungszeitraum des Gleitenden Durchschnittes eine Schlüsselrolle zu. Ein kurzer Betrachtungszeitraum ist für kurzfristige Aktivitäten geeignet, jedoch vernachlässigt oft übergeordnete, langfristige Trends. Umgekehrt können kurzfristig orientierte Marktteilnehmer ihre Tradingentscheidungen nicht auf langfristigen Gleitenden Durchschnitten stützen.

Daher ist es empfehlenswert stets zwei Gleitende Durchschnitte zu verwenden; einen Kurzfristigen und einen Langfristigen. Dabei sollte der kurzfristige Gleitende Durchschnitt 25% oder 1/4 des langfristigen Gleitenden Durchschnitts betragen. Wird beispielsweise ein langfristiger Gleitender Durchschnitt von 20 Tagen gewählt, ist ein kurzfristiger Gleitender Durchschnitt von 5 Tagen sinnvoll (20 x 1/4 = 5). Wenn ein langfristiger Gleitender Durchschnitt von 60 Monaten gewählt wird, ist ein kurzfristiger Gleitender Durchschnitt von 15 Monaten adäquat (60 x 1/4 = 15).

Die zwei folgenden Zeitreihen von Betrachtungszeiträumen sind insbesondere im Bereich der Aktienmärkte weit verbreitet (Angaben in Tagen):
- 5, 10, 20, 30, 50, 100, 200
- 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144 (basierend auf der Fibonacci Reihe)

Wir empfehlen einen langfristigen Gleitenden Durchschnitt aus einer der Zeitreihen zu wählen und sodann den (komplementären) kurzfristigen Gleitenden Durchschnitt wie oben beschrieben zu berechnen.

Definition kurz-, mittel- und langfristig:
- bis 21 Tage = kurzfristig
- bis 55 Tage = mittelfristig
- größer 55 Tage = langfristig

Interpretation von Gleitenden Durchschnitten:
- Die zugrunde liegenden Kursinformationen werden geglättet
- Repräsentiert für den gewählten Betobachtungszeitraum den zugrundeliegenden Trend
- Liefert Unterstützungs- und Widerstandspunkte
- Durchbruch eines steigenden Gleitenden Durchschnittes nach unten stellt die Verletzung eines Unterstützungslevels dar und bedeutet fallende Kurse
- Durchbruch eines fallenden Gleitenden Durchschnittes nach oben führt zu einer Verletzung des Widerstandes und impliziert steigende Kurse
- Der Gleitenden Durchschnitt bildet den Trend der zugrunde liegenden Aktie, Währung, Anleihe etc. ab, eine Verletzung kann somit einen Trendwechsel signalisieren
- In positiven (bullischen) Marktphasen wird angenommen, dass eine Unterstützung in unmittelbaren Nähe des steigenden Gleitenden Durchschnittes existiert
- In negativen (bärischen) Marktphasen wird angenommen, dass ein Widerstand in der unmittelbaren Nähe des fallenden Gleitenden Durchschnittes existiert
- Die Steigung eines einfachen Gleitenden Durchschnittes wird als Trendbestätigung herangezogen