Rückkehr des Schlendrians in Südeuropa
„Immer höhere Brandmauern untergraben die Sparanstrengungen der Regierungen“, sagt Ludger Schuknecht vom deutschen Finanzministerium. „Italien und Spanien sind zu groß, um gerettet zu werden“, erläutert Schuknecht auf einer Veranstaltung zur Schuldenkrise in Frankfurt. Es geht um die Aufstockung der Rettungsschirme, die die Südeuropäer stets durch den italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti fordern.
Bundeskanzlerin Angela Merkel schloss derweil eine Erhöhung des auf 500 Milliarden Euro ausgelegten ständigen Rettungsschirm (ESM) aus. Allerdings könnte man die Restmittel des vorübergehenden Rettungsschirms (EFSF) mit dem ESM kombinieren, so dass die Brandmauer für eine Überganszeit auf 690 Milliarden Euro anwachsen würde.
Man traut den Südeuropäern offenbar nicht mehr über den Weg. Hätten die Regierungen Rajoy oder Monti einen Haftungsrahmen von einer Billion Euro im Rücken, würden sie es womöglich gemächlicher angehen. Diese Theorie wird neben Schuknecht auch durch den Chefvolkswirt der Citigroup und ehemaligen Geldpolitiker der Bank von England, Willem Buiter, geteilt.
Spanien am Abgrund
„Spanien ist einem Schuldenschnitt so nahe wie nie zuvor“, sagte Buiter auf Bloomberg Radio. Die Renditen von spanischen Staatsanleihen kletterten zwischen dem 1. März und dem 23. März 2012 von 4,87 auf 5,53 Prozent. Für den 29. März haben die spanischen Gewerkschaften einen Generalstreik ausgerufen, um gegen die Sozial- und Arbeitsmarktreformen zu protestieren.
Die Nordeuropäer können nur mit dem Kopf schütteln, wenn sie sich die reformresistenten Spanier anschauen. Das Land hat mit 23 Prozent (Tendenz steigend) eine höhere Arbeitslosigkeit als Griechenland. Dennoch wehrt sich ein großer Teil der Bevölkerung gegen Veränderungen, was im Endeffekt heißt, dass man lieber weiter Schulden machen will, bis der Notarzt kommt.
Spanien läuft die Zeit davon. War die Staatsverschuldung der Iberer im Jahr 2007 mit 36 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) noch vorbildhaft, liegt sie derzeit mit knapp 70 Prozent bereits im kritischen Terrain. Mehr als 80 Prozent dürften die Finanzmärkte nicht mitmachen. Wenn man die Arbeitslosigkeit nicht runter bekommt, wird es aber genau darauf zulaufen.