Mario Montis freche Rufe nach Eurobonds

Der italienische Ministerpräsident wird nicht müde nach Eurobonds zu rufen. Nachdem er in der letzten Woche Deutschland als Anführer der EU-Intoleranz gegenüber der Zeitung „Die Welt“ brandmarkte, fordert er aktuelle in der „Financial Times“ die Deutschen zur Unterstützung seines Landes auf. Monti sucht breitere Schultern, um den drittgrößten Schuldenberg der Welt tragen zu können. Derweil steht der Euro Dollarkurs bei 1,2725 und beendet zaghafte Erholungstendenzen.

Weil die Märkte auch dem Nachfolger von Berlusconi kaum trauen, muss Italien immer noch deutlich höhere Zinsen zahlen als Deutschland. Zehnjährige Schuldtitel des Stiefellandes rentieren bei 6,49 Prozent, während deutsche Bundesanleihen wie ein Fels in der Brandung nach der Abstufungsorgie von Standard & Poor’s bei 1,78 Prozent rentieren. Von dieser Solidität will Monti nun etwas abhaben und verweist dabei auf „enorme Kraftanstrengungen“ der italienischen Bevölkerung.

Investoren reichen die Sparpakete der Monti-Regierung nicht aus, um bei ihren Zinsforderungen Abstriche zu machen. Bei den Reformen der Wettbewerbsfähigkeit hat Monti, der paradoxerweise EU-Wettbewerbskommissar war, bisher nichts Greifbares abgeliefert. Italien wolle sich bei den Arbeitsmarktreformen an den nordeuropäischen Ländern orientieren, so Monti. Am liebsten will Italien offenbar, ganz gleich ob sozialistische- oder konservative Regierung, die Notenpresse ankurbeln und seinen drittgrößten Schuldenberg der Welt weginflationieren. Dies ist jedoch durch die Euro-Verträge verboten.

Notfalls muss Italien raus

Monti will sich vom Norden durchfüttern lassen ohne seiner Bevölkerung „Rente mit 67“ und „Hartz 4“ zuzumuten. Er mutmaßt, wenn Italien fällt, dann könnte der Euro kaputt sein. Griechenlands Ex-Premier Papandreou hatte lange Zeit den gleichen Ansatz verfolgt, bis ihn Merkel und Sarkozy im Herbst vor dem G20 Gipfel in Cannes mit dem Euro-Rausschmiss drohten. Die Haltung der Italiener wird umso schizophrener, weil durch Eurobonds auch Euroländer wie die Slowakei, Slowenien und Estland für Italiens zwei Billionen Euro Schuldenberg haften würden.

Warum sollten diese Länder, die enorme Kraftanstrengungen unternommen haben, um in den Euro aufgenommen zu werden, italienische Babyrenten und Frühpensionierungen mitfanzieren? Es wird offenbar Zeit, dass „Merkozy“ auch den Italienern einmal deutlich macht, dass eine Eurozone auch ohne sie möglich ist. Dass Italiener und Griechen mit ihrer Euro-Erpresserhaltung der Gemeinschaftswährung auf ihrer Friedensmission ein Bein stellen, interessiert diese wenig. Spanien und Portugal zeigen in diesem Zusammenhang deutlich mehr Verantwortungsbereitschaft.

Ursprünglich war die Gemeinschaftswährung ein politisches Friedensprojekt, an dem neben Frankreich, Deutschland und den Benelux-Ländern auch die ehemaligen Kriegsschauplätze in Polen, Tschechien und Ungarn herzlich eingeladen waren, teilzunehmen. Weil diese Länder vor zehn Jahren jedoch noch nicht reif waren, sind die Südeuropäer an deren Stelle getreten und haben die Euro-Währung als goldene Kreditkarte missbraucht. Auch Dänemark und Schweden wollen deswegen nichts mehr vom Euro wissen.