Griechenland interessiert keine S… mehr

Die Finanzmärkte sind gnadenlos und Griechenland nicht mehr der Krisennabel der Eurozone. Ob die Hellenen im Euro bleiben oder nicht, scheint zweitrangig. Das desaströse Wahlergebnis für die zwei größten Parteien des Landes, Pasok und Nea Dimokratia, sendet keine Erschütterungen aus. Der aussichtsreichste Kandidat für das Amt des griechischen Premier, Antonis Samaras, hat ein Problem. Er kann die 16 anderen Euroländern nicht mehr in den Würgegriff nehmen.

Der Nobelpreisträger und ökonomische Architekt der Gemeinschaftswährung, der Kanadier Robert Mundell, sagt seit geraumer Zeit, dass ein Austritt der Griechen den Euro stabiler machen würde. Die Politik will das noch verhindern, weil sie einen Bankenlauf auf die Geldhäuser Italiens, Spanien und Portugals befürchtet. Die Angstkurve nimmt aber ab, auch weil die Europäische Zentralbank (EZB) derzeit im Hintergrund prüft, ob man angeschlagene Banken über den ESM Rettungsschirm auffangen kann.

Bankenrettungsfonds

Gleichzeitig forderte der scheidenden Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, einen europäischen Bankenrettungsfonds. Ein solcher Fonds zur geordneten Sanierung oder Abwicklung von Banken sei „wünschenswerter denn je“, sagte Ackermann dem „Spiegel“. Dabei hat der Schweizer sicher die angeschlagenen Institute Spaniens im Auge, die auch den Aktienkurs seines Geldhauses in den letzten Wochen um 20 Prozent einbrechen ließ. Darüber hinaus würde ein solcher Hilfsfonds die Wahrscheinlichkeit von Banken-Runs reduzieren.

Wenn Samaras nun fordert, er möchte das Sparprogramm neu verhandeln, dann interessiert das an den Finanzmärkten niemanden mehr. Griechenland wird ohnehin ein Totalausfall, worauf man sich längst eingestellt hat. Die Wiedereinführung der Drachme ist aus ökonomischer Sicht die beste Alternative und dem rigiden Sparprogrammen, einem Parlament mit Nazis und Kommunisten und wirkungslosen Konjunkturprogrammen vorzuziehen.