Roubini Rede (2): Wohin steuert die Weltwirtschaft?

2. Risiko: Haushaltsdefizite und Staatsverschuldung
Die Konjunkturprogramme sowie expansive Geldpolitik waren erforderlich, um eine Abtauchen in eine Depression zu verhindern. Die Folgen sind hohe Haushaltsdefizite und eine steigende Staatsverschuldung.

Das US-Hauhaltsdefizit wird dieses Jahr bei über 10% des Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegen, die Staatsverschuldung verdoppelt sich von 40% auf 80% des BIP in den nächsten vier Jahren. Dies führt zu 9 Billionen US-Dollar öffentlicher Verschuldung. Allein die Zinszahlungen betragen bei der 15 Billionen US-Volkswirtschaft umgerechnet ca. 2-3% des BIP.

Die Staatsverschuldung steigt auch stark in Europa, Japan und vielen aufstrebenden Volkswirtschaften. Die Finanzmärkte sind aktuell damit beschäftigt steigende Haushaltsdefizite einzupreisen. So sind die Renditen von langfristigen US-Staatsanleihen (10Y Notes) von 2% auf 4% gestiegen. Ein Teil des Zinsanstiegs geht auf die verbesserten Wirtschaftsaussichten zurück, der andere Teil auf die mittelfristige Besorgnis, dass die hohen Haushaltsdefizite nicht aufrechterhalten werden können. Dies führe zu einem Anstieg der langfristigen realen Zinsen (Zinsen nach Abzug der Inflation).

Die Monetarisierung eines Teils des Haushaltsdefizits, z.B. durch unorthodoxe Maßnahmen und den Ankauf von Staatsanleihen durch Zentralbanken, führt kurzfristig nicht zu steigenden Inflationserwartungen, da:

- eine wachsende Output-Lücke existiert
- die Arbeitslosigkeit weiter steigt

Aus diesem Grund bestehen auf kurze Sicht Deflationsrisiken. Daneben werden Liquiditätsspritzen der Zentralbanken bei den Geschäftsbanken als übermäßige Reserven gehalten und  kommen nicht in der Realwirtschaft an.
 

Schlussfolgerung
Roubini sieht die Gefahr eines erneuten Abtauchens der Wirtschaftsleistung (Double Whammy) im nächsten Jahr. Ein Ölpreis von 100 US-Dollar sowie schwer kontrollierbare Haushaltsdefizite, die von Zentralbanken monetarisiert würden, um Zinsen am langen Ende der Zinskurve stabil zu halten, führen mittel bis langfristig zu steigender Inflation und Zinsen.

Steigende Zinssätze verdrängen privaten Konsum und Investitionen (Crowding Out). D.h. der Staat verdrängt aufgrund seines Status als besserer Schuldner Konsum und Investitionen, da er sich zinsgünstiger Geld leihen kann als der private Sektor. Dies führt zu steigenden Zinskosten für Unternehmen und könnte kurzfristig zu einem erneuten Rückgang der globalen Wirtschaftsleistung führen.
 

Mittel bis langfristiger Ausblick für Weltwirtschaft
Daneben existieren mittel- langfristig Besorgnisse. Aktuelle Konsensusmeinung ist, dass die USA im nächsten Jahr nahezu zu Potentialwachstum zurückkehren werden. Das Potentialwachstum der US-Volkswirtschaft liegt bei 2,75%. Die Prognosen zu Wirtschaftwachstum in 2010 in den USA liegen bei 2,25%.

Es besteht eine Reihe von Einwänden, dass die US-Wirtschaft im nächsten Jahr auf diesen Wachstumspfad zurückkehren werde. Roubini rechnet mit einem durchschnittlichen US-Wachstum deutlich unter Potentialwachstum zwischen 1-1,5% im Jahr. Dies gilt auch für die entwickelten Volkswirtschaften in Europa und Japan.