Fed läutet Sommermonate ein

20. Juni 2009 -- Wenn am kommenden Dienstag und Mittwoch der Offenmarktausschuss (FOMC) der amerikanischen Notenbank Fed zusammentritt, stehen Zinsschritte nicht auf der Tagesordnung. Dennoch wird dem Treffen eine sehr große Bedeutung beigemessen. Mit einem Leitzinsniveau zwischen 0-0,25% hat man bereits seit Dezember 2008 den Tiefstand erreicht.

Nach dem US-Arbeitsmarktbericht vom 5. Juni 2009 ging die nachfolgende US-Dollar Aufwertung zu einem großen Teil auf die Zinserhöhungsfantasie zurück. Eine Erhöhung des Leitzinsniveaus noch in diesem Jahre schien denkbar. Der 30 Tage Federal Funds Future, ein Indikator für die zukünftige Leitzinshöhe in den USA, ging stark zurück.

Dies bedeutet Marktteilnehmer gehen von steigenden Leitzinsen aus. Die Zinserhöhungsfantasie hat dem US-Dollar Aufwärtstrieb gegeben, da die erwarteten Zinsdifferenzen zu anderen Währungsräumen geringer werden und US-Investitionen attraktiver macht. Aus diesem Grund konnten wir auch einen Long USD/JPY Bonus Trade an diesem Tag überraschend ins Ziel bringen.

Die Zinserhöhungsfantasie hat jedoch in den vergangenen zwei Wochen einen Dämpfer erhalten, insbesondere aufgrund von steigenden Renditen amerikanischer Staatsanleihen und zunehmenden US-Arbeitslosenraten. In der Vergangenheit hat es in den USA noch nie eine Zinserhöhung gegeben bei einem starken Beschäftigungsabbau. Aus diesem Grund wird mit einer verschlüsselten Botschaft im FOMC Statement gerechnet, die indirekt erklären würde, dass Leitzinserhöhungen für dieses Jahr vom Tisch seien.

Deflation und Überkapazitäten

Daneben wird mit einer Ausweitung der unorthodoxen Maßnahmen (Quantitative Easing) gerechnet. Inflationserwartungen sind aufgrund steigender Arbeitslosigkeit und trüben Aussichten im verarbeitenden Gewerbe bis 2010 gedämpft. Auf Überkapazitäten folgen Output-Gaps und führen zu sinkenden Inflationserwartungen. Als Output-Gap bezeichnet man die Differenz zwischen Potentialwachstum einer Volkswirtschaft aufgrund der vorhandenen Einsatzfaktoren und dem tatsächlichen Wachstum oder Output.

In Deutschland beträgt das Potentialwachstum zwischen 2,00-2,50% mit den gegebenen Einsatzfaktoren. Die Überkapazitäten bei den Einsatzfaktoren werden in Rezessionen abgebaut. Auch aus diesem Grund wurde eine Opel-Insolvenz als tragfähige Lösung vom Wirtschaftsminister favorisiert, da auch in der deutschen Automobilindustrie Überkapazitäten existieren.

Vorsicht am kommenden Mittwoch

Mit dem aktiven Devisenhandel sollte man am kommenden Mittwoch vor der Fed Entscheidung vorsichtig sein. Bereits nach den Fed-Entscheidungen im Dezember 2008 und März 2009, hat man gesehen, dass 200-400 Pips Bewegungen in wenigen Minuten nach der Bekanntgabe möglich sind. Kurzfristig ist weiterhin von US-Dollar Schwäche auszugehen. Mit einem Bruch des Hochs in EUR/USD bei 1,4337 vom 03.06.2009 muss in den nächsten Wochen gerechnet werden bevor ab Mitte August 2009 eine länger andauernde EUR/USD Abwärtsbewegung bis Ende des Jahres einsetzen sollte.