Zinsdifferenzen gewinnen an Bedeutung
14. August -- Das US-Finanzministerium hat in dieser Woche Staatsanleihen im Wert von 86,5 Milliarden US-Dollar erfolgreich am Sekundärmarkt platziert:
- 3-jährige in Höhe von 42,7 Milliarden US-Dollar, Bid-to-cover 2,64, Kupon 1,727% (Median)
- 10-jährige in Höhe von 26,5 Milliarden US-Dollar, Bid-to-cover 2,29, Kupon 3,636% (Median)
- 30-jährige in Höhe von 17,3 Milliarden US-Dollar, Bid-to-cover 2,33, Kupon 4,480% (Median)
Das nach der Auktion veröffentlicht Bid-to-Cover Verhältnis, also um wie viel die Nachfrage das Angebot übersteigt, kann zu starken Reaktionen auch am FX-Markt führen.
Insbesondere das vergleichsweise hohe Bid-to-cover Verhältnis am "langen Ende" der Zinskurve bei 30-jährigen (30Y Bonds) zeigt Vertrauen in dem mit Abstand liquidesten Markt für Staatsanleihen.

Renditen bei 30-jährigen US-Staatsanleihen (30Y Bonds) 2007-2009.
Zum Vergleich: Als Großbritannien am 25. März 2009 Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 40 Jahren platzieren wollte, scheiterte das Vorhaben. Die britische Regierung konnte nicht genügend Investoren gewinnen. GBP/USD kam im Anschluss unter Verkaufsdruck.
Auswirkungen auf USD/JPY und EUR/USD
Die deutlich über dem Wert 2 liegenden Bid-to-cover Verhältnisse spielen auch bei der USD/JPY Abwärtsbewegung in dieser Woche eine Rolle. Bei hoher Nachfrage nach sicheren Anlageklassen wie US-Staatsanleihen sinkt die Risikobereitschaft. Davon kann JPY in der Regel profitieren.
Bei EUR/USD gewinnt die Zinsdifferenz zunehmend wieder an Bedeutung. Bei 10-jährigen Bundesanleihen liegen die Renditen aktuell bei 3,38%, wohingegen bei US-Anleihen die Renditen 3,60% betragen. Die positive Differenz zugunsten von US-Anleihen macht den US-Währungsraum attraktiver im Vergleich zur Eurozone und sollte mit einer EUR/USD Abwertung einhergehen.
Dabei ist jedoch zu unterscheiden, ob die höheren US-Renditen durch positive Wachstumsaussichten gespeist werden oder eine potentielle Monetarisierung von US-Schulden: D.h. unorthodoxe geldpolitische Maßnahmen, wie der Kauf von US-Staatsanleihen durch die Fed führen zu steigender Inflation und Inflationserwartungen. Dies würde eine US-Dollar Aufwertung sicherlich nicht rechtfertigen.
EZB mit Zinserhöhungsfantasie
Nach den positiven Wachstumsraten aus Frankreich und Deutschland, könnte die EZB eine der ersten "großen" Zentralbanken sein, welche die Leitzinsen anhebt. Zwar liegen die aktuellen Inflationsraten in der Eurozone im Jahresvergleich bei -0,7%, jedoch könnte ein spürbarer Anstieg im 4. Quartal 2009 die EZB in Zugzwang bringen ihr Mandat der Preisstabilität erneut zu demonstrieren.
Dies würde die positive Zinsdifferenz bei Staatsanleihen zwischen den USA und Deutschland/Frankreich reduzieren und den Euro gegenüber dem US-Dollar attraktiver machen.