Szenarioanalyse: US-Dollar vorerst weiter schwach
13. Juni 2009 -- Der US-Dollar steht vor großen Unsicherheiten sowohl intern als auch extern.
Externe Unsicherheiten
Die ständigen Bemerkungen insbesondere von BRIC Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China), dass man die Dominanz des US-Dollar ablösen wolle, gehen weiter. Russland hat sich dazu entschlossen bei der verbalen Ablösung des US-Dollar die Führungsrolle zu übernehmen und Präsident Medwedew kritisiert in regelmäßigen Abständen die Dominanz des US-Dollars.
China nutzt die Sorge über seine in US-Dollar gehaltenen Vermögensgegenstände, um international eine stärkere Führungsrolle zu beanspruchen. So hat China vom Internationalen Währungsfonds (IWF) ausgegebenen Anleihen in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar gekauft, um die chinesische Rolle innerhalb des IWF zu stärken. Daneben muss man in den USA aufmerksam zuhören, wenn China Haushaltskonsolidierung und eine höhere Sparquote in den USA fordert.
US-Finanzminister Geithner war letzte Woche in China, um die chinesischen Sorgen über den Wert von US-Vermögensgegenständen zu besänftigen. Marktbeobachter sehen darin eine Rolle Rückwärts. So hatte Geithner noch vor seiner offiziellen Ernennung China öffentlich als Devisenmanipulateur gebrandtmarkt und eine Aufwertung der chinesischen Währung gefordert. Dass Japan am vergangenen Freitag sein Vertrauen in US-Staatsanleihen als unerschütterlich bezeichnete, konnte dem US-Dollar nur kurzfristig ein wenig helfen.
Interne Unsicherheiten
Das in den nächsten zwei Wochen vorherrschende Thema sind die steigenden Renditen von amerikanischen Staatsanleihen.
Insbesondere US-Anleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren (10 Year Notes) sind im Blickpunkt und die Renditen sind am vergangenen Mittwoch über 4,00 Prozent gestiegen. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise und stark fallenden Aktienmärkten lagen die Renditen bei ca, 2,20 Prozent.
Die steigenden Anleiherenditen gehen teilweise auf die steigenden Aktienmärkte zurück, was dafür sorgt, dass Kapital aus den Anleihenmärkten in die Aktienmärkte fließt und für fallende Anleihekurse und steigende Renditen sorgt. Inwieweit die Aktienrallye der vergangenen Monaten auf einem soliden Fundament steht, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend beurteilt werden.
Höhere Inflationserwartungen = Höhere Anleiherenditen
Ein weiterer Erklärungsansatz für die steigenden Anleiherenditen liegt in den Inflationserwartungen. Die amerikanische Notenpresse und die aufgeblähte Bilanzsumme der Fed lassen auf überdurchschnittlich hohe Inflationserwartungen schließen, auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt die Bekämpfung von deflationären Tendenzen Priorität hat.
Stichtag 24. Juni, 20:15 Uhr
So kommt der Sitzung des Offenmarktausschuss der Fed in zwei Wochen am 23./24. Juni eine Schlüsselrolle zu. Werden die unorthodoxen Maßnahmen (Quantitative Easing) ausgedehnt, könnte der US-Dollar noch mehr unter Druck kommen.
In EUR/USD besteht daher weiter Aufwärtspotential und eine Top-Bildung zwischen 1,4300-1,4700 ist in den kommenden Wochen möglich.

Begleitet könnte diese Entwicklung von weiter steigenden Aktienmärkten, gespeist durch die hohe Liquidität, welche in Geldmarktfonds liegt und den volumenschwachem Sommermonaten Juli und August.
Spätestens ab September sollte dann jedoch eine Euro-Abwertung einsetzten angetrieben von geringen globalen Wachstumsaussichten für 2010 insbesondere aus der Eurozone.