EUR/USD Halbjahr-Analyse II
5. August -- Für eine derzeitige Überbewertung des Euro gegenüber dem US-Dollar sprechen aus fundamentaler Sicht insbesondere drei Einflussfaktoren:
1) Handelsgewichteter USD Wechselkurs
Der nominale Wechselkurs des US-Dollar, also der gewichtete Wechselkurs basierend auf internationalem Handel der USA mit Erzeugnissen und Gütern, befindet sich auf sehr niedrigem Niveau.
Der vorläufige Tiefstwert (85,04) wurde im März 2008 erreicht, als die Rezession in den USA schon deutlich sichtbar war, jedoch in der Eurozone und insbesondere Deutschland noch positive Wachstumsraten erzielt wurden. Der aktuelle Indexstand von 93,50 ist weit entfernt vom Mittelwert der letzten 10 Jahre in Höhe von 107,20 sowie vom Zentralwert (Median) bei 103,56.
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Handelsgewichteter USD Wechselkurs (nominal). Quelle: Bank for International Settlements.
2) US-Leistungsbilanzdefizit und Netto-Kapitalzuflüsse
Das sinkende US-Leistungsbilanzdefizit seit Mitte 2008 sowie die zur Finanzierung erforderlichen Netto-Kapitalzuflüsse (TIC-Zahlen) rechtfertigen eine US-Dollar Aufwertung. So ist es seit 2006 zu einer Halbierung des Leistungsbilanzdefizites gekommen, jedoch sind Netto-Kapitalzuflüsse nicht in gleichen Maße zurückgegangen.


US-Leistungsbilanz (oben), Netto-Kapitalzuflüsse (unten). In Milliarden US-Dollar.
3) Renditen bei US- und Bundesanleihen
Die Renditen bei 10-Jährigen Staatsanleihen sind in den USA höher als im liquidesten Markt für Staatsanleihen der Eurozone, nämlich bei 10-Jährigen Bundesanleihen. Die Differenz (Spread) macht Anlagen in den USA attraktiver. Dies sollte sich positiv auf USD auswirken, wenn die Erholung der US-Wirtschaft schneller vonstatten geht als die der Eurozone.

Renditen bei 10-Jährigen Bundesanleihen (GER) und US-Staatsanleihen (US).
Eine US-Dollar Aufwertung gegenüber dem Euro in den nächsten 3-6 Monaten ist aus dieser Sicht das wahrscheinlichste Szenario. Das aktuelle Niveau von 1,4400 erscheint überbewertet. Risikofaktoren sind, wie im ersten Teil erwähnt, steigende Rohstoffpreise und das US-Haushaltsdefizit.