EUR/USD Halbjahr-Analyse I

5. August -- Eine Vielzahl von Indikatoren sprechen für eine Überbewertung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Der jüngster Anstieg von EUR/USD bis auf 1,4445 kann jedoch nicht als Marktübertreibung (Overshooting) bezeichnet werden.

Für ein EUR-Aufwertung sprechen besser als erwartete Zahlen zu US-Wirtschaftswachstum, ein ISM Einkaufsmangerindex über 50 und die Aktien-Rallye mit dem Bruch der 1000 Punkte Marke im S&P500.

Die fundamentalen Neuigkeiten deuten eine Erholung der US-Volkswirtschaft an und sprechen in der Tat für eine Dollar-Abwertung. Dies geschieht aufgrund von steigender Risikobereitschaft  und Aufwertungen von Währungsräumen mit höheren Wachstsumsaussichten oder attraktiveren Renditen (z.B. aufstrebende Volkswirtschaften wie Brasilien oder Australien und Neuseeland). Auch der Euro profitiert von wachsender Risikobereitschaft gegenüber dem US-Dollar.

Vielleicht sollte an dieser Stelle einmal daran erinnert werden, dass es auch Zeiten im Währungshandel gab, in denen besser als erwartete US-Fundamentalnachrichten mit einer USD-Aufwertung einhergingen. Jedoch scheinen diese Zeiten, auch aufgrund des erneuten starken Anstiegs von Rohstoffen, in weite Ferne gerückt zu sein: Öl der Sorte WTI ist gestern bis auf 71,62 USD gestiegen, Gold in den letzten vier Tagen von 926,64 USD bis auf 965,35 USD (+4,18%).

Da Rohstoffe in USD abgerechnet werden und der Zusammenhang steigende Rohstoffe - fallender US-Dollar aktuell wieder sehr groß ist, bleibt abzuwarten, ob und wann eine Abschwächung dieses Zusammenhanges eintritt.

China im Blickpunkt

Die Rolle Chinas ist hier sicherlich entscheidend. Nachdem China den US-Dollar durch öffentliche Aussagen belastet hat, wird vermutet Peking geht stärker dazu über seine Handelsüberschüsse direkt durch den Kauf von Rohstoffen anzulegen.


Devisenreserven China 2005-2009 (in Milliarden US-Dollar)

Jedoch hat China auch wenig Alternativen zum Kauf von US-Staatsanleihen, da der Markt für US-Anleihen der mit Abstand grösste- und liquidiste ist. So scheint Peking habe bei den wirtschaftlichen- und strategischen Beratungen zwischen den USA und China vor zwei Wochen in Washington signalisiert, man wäre bereit mehr inflationsgeschützte US-Staatsanleihen zu kaufen.

Gleichzeitig berichtet das Wall Street Journal, dass US-Finanzministerium plane das Emmissionsvolumen von inflationsgeschützten Anleihen zu erhöhen. Sollte sich eine solche Lösung zur langfristigen Finanzierung des US-Haushaltsdefizit abzeichnen, würde ein wichtige Säule der Euro-Aufwertung gegennüber dem US-Dollar wegfallen.

Was den Euro gegenüber dem US-Dollar in den nächsten 3-6 Monaten unter Abwärtsdruck bringen sollte...»